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Dienstag, 16. Oktober 2012

Sehnsucht

Sehnlichst sehne ich mich nach dir, nach dem Ende der Suche.
Nach dem Ende der Zeit des Wartens, des Wartens auf das wonach ich mich sehne,
auf den nach dem ich mich sehne, sehne nachdem ich ihn lange nicht gesehen habe.

Mein Kopf ist auf der Suche. Auf der Suche nach Bildern, die mir die Sehnsucht nehmen.
Aber die Sehnsucht nimmt mir alle Bilder weg. Löscht sie aus, spult sie ab, wie sie will, wann sie will. Wann sie braucht, wann sie meint, wann es sie ernährt; Sehnsucht schürt die Sehnsucht bleibt.

Warten, denken, fühlen, sehnen, wissen, dass die Sehnsucht ist. Isst und isst, was an Gedankengut ist. Spuckt es wieder aus, neuer Brei, neue Gedanken. Wieder was zu tun. Arbeit. Ablenkung lenkt Gedanken weg, von der Sehnsucht, stoppt das Suchen nach dem, nachdem sie sich sehnt, ich mich sehne.
Sehnsucht.

Und dann sehe ich weit weg den Nebel, Sonnenunter- oder Aufgang, höre Blätter rascheln, Züge rattern, Zugwind pfeifen. Fühle Kissen, Wärme, weich. Heiße süße Schokolade meinen Hals hinunter rinnen. Schmecke warmes Wohlbehagen, rieche das der Herbst da ist. Und dann weiß ich nicht mehr lange, bis sich Sehnsucht selbst vergisst. Nicht mehr länger wen vermisst, du doch endlich bei mir bist.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Türen


Ich schließe eine Tür. Ein letztes Mal blicke ich durch den Spalt um zu erhaschen was ich noch mitnehmen kann. Es fällt mir schwer zu gehen und ich stoße sie noch einmal ein paar Zentimeter auf. Doch da ist nichts, was mich hier noch hält. Nichts, was ich brauche. Nichts, was ich liebe. Nichts, was mir fehlen sollte. Nichts was mich braucht, liebt oder dem ich fehle. Vielleicht sind da noch irgendwo Wut, Trauer um einen Raum, den es nun wohl nicht mehr geben wird. Doch ich nehme all meine Kraft zusammen und ziehe an der schweren alten Eichentür, bis sie mit einem erstaunlich leisen Klicken ins Schloss fällt. Ich spähe durchs Schlüsselloch: Keine Reaktion. Nichts zu sehen. Alles was ich mitgenommen habe ist eine Kiste voll Erinnerungen, mit der ich nun die Tür tapeziere. Melodien erfüllen den Flur, Farben und Lichter erhellen die dunkle Tür. Wie lang ist das her? Hinter der Fassade nur eine dunkle, alte Eichentür. Ich schließe nicht ab. Und manchmal schwabbt eine Welle unter der Tür hervor, doch ich verschließe den Schlitz nicht. Wer sich bemüht kann die Tür wieder öffnen. Doch nun ist sie zu. Ich habe sie eigenhändig geschlossen!
Ich bin müde, dreh mich um, will gehen. Schaue wieder zurück. Schließe meine Augen. Alles dreht sich. Ich verliere den Boden unter den Füßen. Bin wieder da, zurück. In meinen Erinnerungen. In dem Raum.
Es ist vorbei! Will ich mich selbst anschreien. Lass endlich los! Die Melodien hinter mir verschwimmen in einem einzigen Gewirr, als wollten sie mich ziehen und zerren. Mit letzter Kraft öffne ich die Augen und blicke auf eine helle weit offene Tür. Da steht jemand. Hält seine Arme erwartungsvoll offen und blickt mich verzweifelt, aber liebevoll an. Ich schaue ihn an.
Wieso habe ich ihn nicht um Hilfe gebeten? Wieso habe ich alleine gekämpft?
Habe ich nicht damals hinter der Tür immer gesagt zusammen sei man stärker? Habe ich nicht Stunden damit verbracht jemandem zur Seite zu stehen, weil ich wusste, dass es so erträglicher wird, einfacher wird, schöner wird? Und, dass so, nicht einer allein all seine Kräfte aufbraucht?
Ich richte mich auf, ignoriere die Melodien hinter mir. Gehe vorsichtig einen Schritt vorwärts. Sie werden dumpfer, mit jedem Schritt, bis sie ganz verstummen. Als er sieht, dass ich zu ihm will läuft er mir entgegen und hält mich lange fest. Dann nimmt er mich an die Hand und zusammen gehen wir durch den Flur. Schließen Türen, öffnen sie. Bestaunen alte Gemälde und gehen gemeinsam durch quietschende, lange unbenutzte Türen.
Danke.

Montag, 19. September 2011

Mit Blick aufs Ende des Stegs


Ich stehe nicht fest, der Boden besteht bloß
Aus ein paar Brettern, stoß
Mich jetzt bloß keiner hier runter!
Noch halt ich mich tapfer munter!

Doch alles wackelt, ihr zieht,
An den Brettern und mein Gleichgewicht flieht
Und ich halt mich kaum noch grade,
In mir mehr als nur eine Blockade.

Wie soll ich noch weitergehn?
Kann nicht anders, als nach dir zu flehn,
halt mich doch fest!
Versteh nicht, warum die Welt mich nicht in Ruhe lässt.

Sie zieht mir den Boden weg
Zieht mich immer wieder durch den Dreck
Und lässt mich still liegen,
ich möchte so gern endlich fliegen!

Das einzige was bleibt
Verrät mein Blick, so weit,
nach vorn in Hoffnung aufs Ende des Stegs,
Geh ich mit Glauben und Liebe meines Wegs!